Wie junge Helfer landwirtschaftliche Betriebe unterstützen
- Claudia Hude
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Zivildiener unterstützen landwirtschaftliche Betriebe bei der täglichen Arbeit im Stall und auf den Flächen. Am Beispiel eines Milchviehbetriebs in Salzburg zeigt sich, wie wichtig diese Einsätze im Alltag sind – und wie sie Abläufe langfristig stabil halten.

Im Laufstall des Malzführerhofs in Henndorf am Wallersee liegt die Wärme des Tages noch in der Luft. Daniel Kaltenegger geht ruhig durch die Reihe der rund 50 Milchkühe, kontrolliert Futter, Wasser und den Zustand der Tiere. Neben ihm ist Jasmin Rieser im Einsatz – die Handgriffe sitzen, die Abläufe sind eingespielt. Der Betrieb im Ortszentrum läuft weiter, täglich, ohne Unterbrechung. Zu den Milchkühen kommen rund 46 Hektar Grünland, die bewirtschaftet werden müssen – Arbeit, die sich nicht verschieben lässt. Dass dieser Hof heute so geführt werden kann, ist keine Selbstverständlichkeit.
Wenn das Schicksal alles verändert
Vor zweieinhalb Jahren erlitt Betriebsführer Martin Rieser zwei Schlaganfälle. Drei Monate musste er im Krankenhaus verbringen und kämpft auch heute noch mit den Folgen seiner Erkrankung. „Von einem Tag auf den anderen hat sich alles verändert“, erzählt Rieser. Ihm war nach dem zweiten Schlaganfall schnell klar, dass Hilfe her musste. Denn die damals 21-jährige Tochter konnte die Arbeit am Hof nicht auf Dauer alleine stemmen, seine Frau und er konnten krankheitsbedingt keine Unterstützung leisten. „Das war eine Zeit, die uns an die Grenzen gebracht hat“, erzählt Rieser.
Zivildienst als wichtige Überbrückungsleistung
Umso größer war die Erleichterung, als Christoph Quehenberger von der Landwirtschaftskammer Salzburg ihm noch am Krankenhausbett Unterstützung zusagte. Landwirtschaftliche Zivildiener kommen in Österreich vor allem dann zum Einsatz, wenn es auf einem bäuerlichen Betrieb durch Krankheit, Unfall oder andere akute Notlagen nicht mehr möglich ist, die tägliche Arbeit selbst zu bewältigen. Besonders in der tierhaltenden Landwirtschaft ist eine durchgehende Versorgung der Tiere notwendig, weshalb solche Einsätze eine wichtige Leistung darstellen, um landwirtschaftliche Betriebe weiterführen zu können. Die Zuteilung von Zivildienern erfolgt bedarfsbezogen über die Landwirtschaftskammer, die in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen die Vermittlung übernimmt. In Salzburg stehen jährlich 15 landwirtschaftliche Zivildienstplätze zur Verfügung, in Summe werden zwischen 20 und 30 Betriebe unterstützt.
Hilfe aus der Praxis
Am Hof der Familie Rieser ist Daniel Kaltenegger bereits der dritte Zivildienstleistende. „Entscheidend ist, dass die jungen Männer aus der Praxis kommen und wissen, was sie tun. Denn wie auf jedem anderen Hof auch, muss die Arbeit bei uns täglich erledigt werden“, weiß Martin Rieser. Jemand muss wissen, wie ein Betrieb funktioniert, um auch wirklich helfen zu können. Eine Einschulung über Monate geht hier nicht.“ Mit Daniels Leistung ist Familie Rieser sehr zufrieden. Der Flachgauer stammt aus St. Georgen und wächst selbst auf einem Milchviehbetrieb auf. Seit März ist er am Malzführerhof im Einsatz, sein Zivildienst dauert noch bis November.
Großes Interesse an Zivildienst
Der Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg Rupert Quehenberger berichtet: „Der Zivildienst bedeutet rund 50 Stunden Arbeit pro Woche auf dem zugeteilten Hof – egal ob im Stall, bei der Fütterung oder bei der Arbeit auf dem Feld. Das Interesse an einem landwirtschaftlichen Zivildienst ist groß. Wir haben Gott sei Dank jedes Jahr genügend Bewerbungen von bestens qualifizierten jungen Männern.“ Daniel Kaltenegger hat sich schon eineinhalb Jahre vor Beginn seines Zivildienstes bei der LK Salzburg beworben. „Ich kenne die Arbeit von zuhause. Trotzdem lernt man hier jeden Tag etwas dazu“, sagt er. Dass er gebraucht wird, sei für ihn besonders wichtig. Später will er den elterlichen Betrieb übernehmen.
Mit Mut in die Zukunft
Mit gezielten Investitionen entwickelt Familie Rieser ihren Hof laufend weiter. Tochter Jasmin absolviert gerade die Meisterausbildung und will den Hof bald übernehmen: „Ich habe auf der landwirtschaftlichen Fachschule in Kleßheim meine Leidenschaft für die Landwirtschaft entdeckt. Immer wieder bin ich beeindruckt von ihrer Vielfalt und Breite.“
Am Hof hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert: Technische Hilfsmittel erleichtern die Arbeit und schaffen Spielraum im eng getakteten Alltag. Auch ein moderner Fuhrpark erleichtert die Arbeit. Jasmin Rieser bereitet sich damit Schritt für Schritt auf die Übernahme des Hofes vor.
Mittlerweile ist es Abend geworden und die Kühe verlassen den Laufstall und gehen hinaus auf die Weide. Nach einem heißen Tag bewegen sie sich ruhig und genießen die kühlere Luft.





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