Bäuerinnen und Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand
- Claudia Hude
- vor 13 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Preisdebatte und Preissenkungen schwächt bäuerliche Familienbetriebe

Die anhaltende Preisdebatte bei Lebensmitteln und aktuelle Preissenkungen setzen bäuerliche Familienbetriebe massiv unter Druck. „Was für Konsumentinnen und Konsumenten auf den ersten Blick positiv erscheint, ist für viele Bäuerinnen und Bauern existenzbedrohend“, warnt BB-Landesobmann Rupert Quehenberger. Sinkende Erzeugerpreise – etwa bei Milch oder zuletzt auch bei Kartoffeln – träfen Betriebe in einer Phase ohnehin hoher Kosten.
Hohe Standards haben ihren Preis
„Unsere Bäuerinnen und Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie produzieren täglich hochwertige Lebensmittel, doch die Erlöse decken den Aufwand immer weniger“, so Quehenberger. Betriebsmittel, Energie, Arbeitszeit und Investitionen in Tierwohl, Umwelt- und Qualitätsstandards verursachen hohe Kosten. „Diese Standards werden von Kunden und Handel gefordert – aber sie müssen auch bezahlt werden.“ Hier sieht Quehenberger auch die Konsumten/innen bei jeder Kaufentscheidung in der Pflicht.
Große Unsicherheit
Die aktuellen Preisentwicklungen verunsichern viele Land- und Forstwirte. „Bereits jetzt stehen viele Bäuerinnen und Bauern mit dem Rücken zur Wand. Das wird durch die aktuellen Preissenkungen noch verschärft – keiner kann aktuell einschätzen, wohin die Reise der Preise noch geht. Das verunsichert und hat auch Auswirkungen über die Land- und Forstwirtschaft hinaus. Viele Bäuerinnen und Bauern verschieben daher Investitionsmaßnahmen, wie Stallumbauten oder Investitionen in erneuerbare Energieträger, etc. Das spürt bald die gesamte Wirtschaft“, so Quehenberger.
Nur 4 von 100 Euro für die Bauern
Besonders problematisch ist und bleibt auch die Verteilung entlang der Wertschöpfungskette. „Von 100 Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden, kommen nur rund vier Euro bei den Bäuerinnen und Bauern an. Diese Schieflage ist nicht länger tragbar.“ Preissenkungen dürften daher nicht einseitig auf die Landwirtschaft abgewälzt werden. „Alle Teile der Lieferkette müssen Verantwortung übernehmen – nicht nur jene, die am Anfang stehen.“ Zusätzliche Risiken sieht Quehenberger in internationalen Handelsabkommen wie Mercosur. „Mehr Importdruck bedeutet noch weniger Spielraum für faire Erzeugerpreise.“ Gerade in einer Zeit globaler Unsicherheiten sei das ein gefährlicher Weg. „Die heimische Lebensmittelproduktion ist ein zentraler Pfeiler unserer Versorgungssicherheit. Wer sie schwächt, macht sich abhängig.“ Quehenbergers Appell ist klar: „Es muss ein zentrales Ziel der Politik sein, bäuerliche Betriebe zu erhalten und zu stärken. Qualität, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif.“





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