Almwirtschaft ist unverzichtbar
- Claudia Hude
- 7. Okt.
- 4 Min. Lesezeit
Warum der Erhalt der Almwirtschaft ein zentrales Anliegen für unser gesamtes Bundesland ist und wie die erste Bilanz des heurigen Almsommers aussieht, darüber haben wir mit Silvester Gfrerer, Obmann des Salzburger Alm- und Bergbauernvereins gesprochen.
BauernZeitung: Herr Gfrerer, der Almsommer neigt sich dem Ende zu, die Tiere werden langsam wieder ins Tal getrieben. Können Sie schon eine erste Bilanz ziehen?
Gfrerer: Insgesamt können wir auf eine gute Almsaison zurückblicken. Nach einem trockenen Frühling hat uns der feuchte Mai geholfen. Der Juli war feucht aber kühl, ab August waren die Bedingungen dann optimal. Auch gab es heuer kaum Unwetterschäden oder Risse durch Wölfe. Wenn das Almvieh sich wohlfühlt, die äußeren Bedingungen passen und die Almleute im Herbst mit dem Almvieh gesund nach Hause kommen, dann war es ein guter und erfolgreicher Almsommer.
Sie sagen, die Almwirtschaft sei von unverzichtbarem Wert für die Landwirtschaft und für die gesamte Gesellschaft. Warum ist das so?
Die Almen sind unverzichtbar. Landwirtschaftlich gesehen entlasten sie die Heimbetriebe, die während dem Sommer ihre Futtergrundlage für den Winter sichern können. Dabei verwerten die Tiere auf der Alm das Gras und wandeln es in hochwertiges Eiweiß um, das für uns Menschen nutzbar wird. Nachhaltiger und umweltschonender können Lebensmittel nicht produziert werden. Gleichzeitig halten die Tiere die Almen frei, verhindern eine Verbuschung und fördern die Biodiversität. Die Almen und damit auch unsere schöne Kulturlandschaft bleiben damit erhalten.
Das heißt ohne Almen kein Tourismus?
In gewisser Weiser stimmt das. Gerade wurde eine Umfrage präsentiert, dass 62 Prozent der Touristen nach Österreich kommen, weil sie die Schönheit unserer Natur so zu schätzen wissen. Ohne die Almwirtschaft würden die Flächen binnen kürzester Zeit verbuschen und damit auch für Wanderer nicht mehr nutzbar sein. Ganz abgesehen davon, dass das Landschaftsbild ein ganz anderes werden würde. Die Kulturlandschaft, die wir kennen, würde es nicht mehr geben.
Was ist ihre Aufgabe als Obmann des Salzburger Alm- und Bergbauernvereins?
Wir vertreten die Interessen der Alm- und Bergbauern in Salzburg. Auf rund 1.780 Almen werden im gesamten Bundesland Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen aufgetrieben. Unser Verein hat etwa 750 Mitglieder. Unsere Aufgabe ist es, dieses kleine, aber wesentliche Segment der Landwirtschaft sichtbar zu machen und zu stärken und die Interessen der Almbäuerinnen und Almbauern nach außen zu tragen. Dabei ist auch die europaweite Vernetzung des gesamten Alpenraums von großer Bedeutung.
Der Strukturwandel macht auch vor der Almwirtschaft nicht halt. Wie hat sie sich in den letzten Jahrzehnten verändert?
Früher standen die Erschließung, Gebäudeerhaltung oder die Energie- und Wasserversorgung im Vordergrund. Heute ist die Almwirtschaft viel mehr: Sie ist auch Erholungsraum und Tourismusfaktor. Was einst ein rein landwirtschaftliches Thema war, ist inzwischen zu einem gesamtgesellschaftlichen geworden.
Und natürlich beschäftigt uns auch der Strukturwandel im Tal. Österreichweit sperren derzeit täglich neun Betriebe zu. In Salzburg zB ist die Zahl der Milchkühe von 10.000 auf 8.500 gesunken. Beim Jungvieh, den Schafen und Ziegen sind wir aber stabil. Auch die Technisierung der Landwirtschaft macht es für Betriebe immer unwirtschaftlicher, ihre Tiere im Sommer aufzutreiben. Aber wenn wir zu wenige Tiere auftreiben, können wir die Almen auf Dauer nicht mehr freihalten.
Was muss passieren, um die Almwirtschaft abzusichern?
Es braucht Anreize, damit der Auftrieb attraktiv bleibt. In der neuen GAP müssen entsprechende Maßnahmen vorgesehen werden. Denn die Bäuerinnen und Bauern sind motiviert, auch die Jungen. Sie wollen auch in Zukunft ihre Almflächen bewirtschaften und genau dabei müssen wir sie unterstützen. Ziel muss es sein, dass die Almweideflächen erhalten bleiben – für Landwirtschaft, Natur und Gesellschaft.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Eine sehr große. Die Vegetationszeiten beginnen früher und dauern länger. Das bedeutet, dass mehr Futter wächst, das auch verwertet werden muss. Deshalb brauchen wir mehr Tiere auf unseren Almen.
Eine weitere Belastung für die Almbauern sind die Großraubtiere. Wie schaut es da aus?
Heuer hatten wir in Salzburg ein vergleichsweise gutes Jahr mit wenigen Rissen. Das Wolfsmanagement in Salzburg ebenso wie die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft funktioniert und auch die Herabsetzung des Schutzstatuses in Brüssel war ein wichtiger und richtiger Schritt. Unser Ziel ist, den Wolf in Zukunft regulär bejagen zu können – wie jede andere Wildart auch. Wir wollen ihn nicht ausrotten, aber er muss scheu bleiben und darf nicht zu nahe an Siedlungen herankommen.
Ein andere große Herausforderung ist die Freizeitnutzung der Almen. Wie steht es da?
Grundsätzlich freut es uns, dass die Menschen die Almen als Erholungsraum so schätzen. Wanderer, Radfahrer, Paragleiter, Hundehalter - die Vielfalt an Aktivitäten bringt aber auch Probleme mit sich und wir Almbesitzer stoßen da oft an unsere Grenzen. Die Menschen müssen Rücksicht aufeinander nehmen und sich über den richtigen Umgang mit Herdetieren in Verbindung mit Hunden informieren. Neben der Eigenverantwortung eines jeden einzelnen möchte ich auch an die Tourismusbetriebe appellieren, ihre Gäste über das richte Verhalten auf dem Almen aufzuklären. Auch der Hundeführerschein muss um diesen Aspekt erweitert werden.
Ihr Schlusswort?
Ich möchte allen Almbäuerinnen, Almbauern und dem Almpersonal danken. Sie leisten Großartiges – für die Landwirtschaft, die Landschaft und für uns alle.






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