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  • Claudia Hude

Salzburgs Lebensvielfalt profitiert entscheidend von Alm- und Weidewirtschaft

Wie Alm- und Weidewirtschaft der Lebensvielfalt entscheidend zu Gute kommen, wodurch dieses sensible Zusammenwirken massiv gefährdet ist und was es für eine nachhaltige Zukunft braucht, legten die Präsidenten der LK Österreich, Josef Moosbrugger, und der LK Salzburg, Rupert Quehenberger, bei einem Pressegespräch anlässlich der auswärtigen Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern in diesem Bundesland dar.


Foto: Landwirtschaftskammer

Salzburgs Bäuerinnen und Bauern haben im Laufe der Jahrhunderte eine höchst vielfältige, für Mensch, Tier und Pflanze gleichermaßen lebenswerte Landschaft geschaffen und erhalten. Mit ihren rund 160.000 Rindern, 34.000 Schafen, 9.000 Ziegen und vielen anderen Wiederkäuern sorgen sie dafür, dass die knapp 157.000 Hektar Dauergrünland (entspricht Gesamtfläche des Flach- und Tennengaus) nachhaltig bewirtschaftet werden.


Moosbrugger: Nachhaltige Bewirtschaftung statt Außer-Nutzung-Stellungen


„Nur durch Mahd oder Beweidung können wir unsere einzigartige Kulturlandschaft in Österreich bzw. Salzburg erhalten, aus dem Gras proteinreiche Qualitätslebensmittel erzeugen und gleichzeitig Lebensraum für unzählige Arten bieten. Die Wiesen und Weiden müssen aber regelmäßig von unseren Bäuerinnen und Bauern bzw. ihren Tieren 'gepflegt' werden, sonst verschwinden sie und mit ihnen die darauf spezialisierte enorme Vielfalt an Organismen", betont Moosbrugger, der auch auf diverse Studien verweist. "Landwirtschaftsvielfalt schafft Lebensraumvielfalt und diese wiederum Lebensvielfalt. Es ist ein fataler Irrglaube, dass Außer-Nutzung-Stellungen Artenvielfalt schaffen würden. Unsere Wiederkäuer machen unsere Landschaft in Österreich und somit auch Salzburg vielfältiger und artenreicher. Wo unsere Alm- und Weidetiere weichen müssen, verschwinden mit ihnen auch viele Lebensräume und wertvolle Pflanzen- und Tierarten. Das gilt es zu verhindern."


Biodiversitätsflächen in Salzburg verdreifacht


Auch extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen wie ein- und zweimähdige Wiesen, Almflächen, Hutweiden, Bergmähwiesen oder Streuwiesen brauchen eine Mahd oder die Beweidung durch Tiere. In Salzburg beträgt der Anteil des extensiv geführten Dauergrünlandes knapp 60%. Mit der österreichischen Umsetzung der neuen Gemeinsamen EU-Agrarpolitik ist dieser Anteil weiter angestiegen. Allein die Salzburger Bäuerinnen und Bauern haben seit dem Vorjahr die Zahl der Biodiversitätsflächen von 2.200 auf 7.500 Hektar verdreifacht – das sind 75 km2, was beinahe der Fläche der Gemeinde St. Johann im Pongau entspricht.


Quehenberger warnt vor Verschwinden der Alm- und Weidewirtschaft


Quehenberger appelliert: „Fahren, radeln und wandern Sie mit offenen Augen durch unsere Landschaft und erkennen Sie die Schönheit der Wiesen und Almen und werden sie zu einem Unterstützer dieser einzigartigen Kulturlandschaft, denn sie ist in Gefahr. Die Forderungen nach einer vermeintlichen 'Wiederherstellung der Natur', die Verbauung wertvoller Wiesen, die Verteufelung der Wiederkäuer als Klimasünder, Anzeigen gegen Tierhalter oder auch die zunehmenden Wolfsattacken: Viele Bäuerinnen und Bauern resignieren derzeit ob der zahlreichen Herausforderungen. Wir laufen Gefahr, dass wir durch die Reduktion der Viehhaltung binnen weniger Jahrzehnte große Teile unserer über Jahrhunderte geschaffenen Kulturlandschaft verlieren – und alles Positive, was damit verbunden ist. Schon jetzt verschwindet pro Jahr rund 1% der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Wenn sich diese Entwicklung weiter beschleunigt, werden unsere Enkelkinder blühende Wiesen und Almweiden nur mehr aus Bilderbüchern kennen.“


Forschung: Wiederkäuer machen Ungenießbares genießbar – im Sinne des Klimas


Welche wichtige Rolle unsere Wiederkäuer für die Pflege unserer Kulturlandschaft haben, hat u.a. die Höhere Bundeslehr- und -forschungsanstalt für Landwirtschaft (HBLFA) Raumberg-Gumpenstein aufgezeigt. Demnach können 61% der Pflanzenmasse, die in Österreich wächst, von Menschen nicht direkt verdaut werden. Das können nur Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde – die uns dafür im Gegenzug hochwertige Lebensmittel liefern. Diese Grünlandflächen einer anderen Nutzung zuzuführen, wäre aus Sicht des Klimaschutzes laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern höchst kontraproduktiv. Die Aufgabe der Tierhaltung hätte für das Klima somit keine Vorteile, ganz im Gegenteil.


Forschung: Beweidete Almen sind Biodiversitäts-Hotspots


Weitere Untersuchungen zeigen, dass Bergwiesen und extensiv genutzte Almweiden u.a. zwischen 50 und 100 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Flechten pro 50 m2 Fläche beherbergen. "Unsere Almen sind laut Wissenschaft wahre Biodiversitäts-Hotspots, wenn sie nachhaltig bewirtschaftet werden. Flächen, die etwa mit Grünerlen zuwachsen, werden hingegen vergleichsweise artenarm, wie auch eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2020 zeigt. Hier sinkt die Artenvielfalt relativ schnell um die Hälfte. Leider sind auch auf Österreichs bzw. Salzburgs Bergen viele Flächen gefährdet, zuzuwachsen. Der Klimawandel fördert auf den Almen das Futterwachstum, aber schon jetzt gibt es zu wenig Tiere, die dieses Futter verwerten könnten. Die Folge ist, dass die Flächen von Heidelbeerstauden, Almrosen und später von Gehölzen wie Grünerlen überwuchert werden. Von daher setzen wir uns sehr dafür ein, dass genügend Tiere aufgetrieben werden und auch genug Almpersonal zur Verfügung steht – angesichts des allgemeinen Arbeitskräftemangels und der wirtschaftlichen Situation eine echte Herausforderung", betont Moosbrugger. "Wer glaubt, dann auch noch locker einen umfangreichen, flächendeckenden Herdenschutz vor dem Wolf aufstellen zu können, lebt fernab jeglicher bäuerlichen Realität", kritisiert der LKÖ-Präsident.


Bewirtschaftung verbessert Schutz vor Naturgefahren


"Alleine in Salzburg umfassen die Almfutterflächen rund 65.000 Hektar, das sind 41% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Bundeslandes. Welche Auswirkungen es hat, wenn Almen verwildern, lässt sich nur erahnen: U.a. begünstigt Weidegras, das nicht abgefressen wird, die Entstehung von Lawinen, welche verhindert werden müssen. Bewirtschaftete Flächen speichern außerdem mehr Wasser, sind stärker durchwurzelt und schützen unsere Siedlungen besser vor extremen Wetterereignissen", gibt Quehenberger zu bedenken. Noch ist die Zahl der gealpten Tiere relativ konstant und sinkt in Salzburg jährlich "nur" um rund 1%. "Das kann sich aber schnell ändern, wenn die Almbäuerinnen und -bauern nicht mehr bereit sind, das mit den großen Beutegreifern verbundene Risiko auf sich zu nehmen", warnt der LK Salzburg-Präsident.


"Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen volle Unterstützung bei der Erhaltung unserer Kulturlandschaft, die auch der Artenvielfalt sowie Sicherheit und Lebensqualität unserer Bevölkerung entscheidend zu Gute kommt", zeigen sich Moosbrugger und Quehenberger einig.

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