Weltfrauentag: Salzburger Bäuerinnen stehen für gelebte Verantwortung und fordern faire Rahmenbedingungen
- Claudia Hude
- vor 19 Stunden
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Kaum ein anderer Arbeitsbereich ist so eng mit Familie, Betrieb und Verantwortung für kommende Generationen verbunden wie die Landwirtschaft. Gerade dort tragen Frauen seit jeher zentrale Verantwortung – wirtschaftlich, organisatorisch und sozial. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März betont die Landesobmann-Stv. des Salzburger Bauernbundes und Landesbäuerin Claudia Entleitner: „Auf unseren Höfen wird Partnerschaft täglich gelebt. Gleichzeitig braucht es klare politische Rahmenbedingungen, damit Frauen auch rechtlich und sozial vollständig abgesichert sind.“
Bäuerinnen sind oft der Motor für die Weiterentwicklung der Höfe: Sie führen Betriebe, entwickeln neue Einkommensstandbeine, engagieren sich in den Regionen und verbinden unternehmerisches Denken mit sozialer Verantwortung. Diese Leistungen müssten sich jedoch noch stärker in Gesetzen und Förderinstrumenten widerspiegeln. „Gleichberechtigung darf nicht bei schönen Worten enden. Sie muss sich im Sozialrecht, in der Absicherung und in konkreten Unterstützungsangeboten zeigen“, so Entleitner.
Mutterschutz auch nach Schwangerschaftsverlust
Ein zentrales Anliegen bringt die Landesbäuerin in die kommende Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Salzburg ein: den Anspruch auf Mutterschutz auch nach einem Schwangerschaftsverlust.
Derzeit wird rechtlich zwischen Fehl- und Totgeburt unterschieden. Nur bei einer Totgeburt – also wenn das Kind ein Geburtsgewicht von 500 Gramm erreicht – greift das Mutterschutzgesetz mit Anspruch auf Wochengeld. Bei einer Fehlgeburt besteht kein Anspruch auf Mutterschutz, betroffene Frauen können lediglich – bei ärztlicher Bestätigung – in Krankenstand gehen.
„Der Verlust eines Kindes ist kein gewöhnlicher Krankheitsfall. Frauen brauchen in dieser Situation Schutz, Zeit und rechtliche Absicherung – unabhängig von starren Gewichtsgrenzen“, betont Entleitner. Gerade in bäuerlichen Familien sei die Belastung besonders hoch, weil Arbeit und Lebensumfeld unmittelbar miteinander verbunden sind und ein Rückzug oft nur schwer möglich ist.
Blick nach Deutschland
Als mögliches Vorbild nennt Entleitner die Regelung in Deutschland: Dort gilt seit 2025 ein gestaffelter Mutterschutz ab der 13. Schwangerschaftswoche. Je nach Zeitpunkt des Verlustes sind Schutzfristen zwischen zwei und acht Wochen vorgesehen. Neben dem Anspruch auf Mutterschutz und Wochengeld fordert die Landesbäuerin auch eine verbesserte, niederschwellige Hebammenbetreuung nach Fehlgeburten. „Gerade in den ersten Tagen nach einem Verlust brauchen Frauen professionelle Begleitung – medizinisch wie emotional. Diese Unterstützung muss selbstverständlich und gesetzlich abgesichert sein.“
Gleichstellung heißt Verantwortung ernst nehmen
Für Entleitner ist klar: Wer die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft sichtbar machen will, muss auch in schwierigen Lebenssituationen Verantwortung übernehmen. „Echte Gleichstellung zeigt sich nicht in Symbolen, sondern darin, wie wir Frauen in Ausnahmesituationen absichern. Der Weltfrauentag ist ein guter Anlass, hier konkrete Schritte einzufordern.“





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