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Moore als Chance für Klimaschutz und Landwirtschaft

  • Claudia Hude
  • 9. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

-       Salzburger Schule HBLA Ursprung erforscht eigene Moorböden

-       Spannende Forschungskooperation mit Universität Salzburg und FH Salzburg Campus Kuchl

-       Rund drei Meter Torf unter der Schulwiese gehoben, organische Schicht ist rund 15.000 Jahre alt

-       Ziel: Modelle entwickeln, die Klimaschutz und Landwirtschaft verbinden


 


Moorböden speichern enorme Mengen an Kohlenstoff. Werden sie jedoch landwirtschaftlich genutzt, setzen sie Jahr für Jahr große Mengen Treibhausgase frei und der weiche Torf wird in vergleichsweise kurzer Zeit abgetragen. Diesem Dilemma geht nun die auf Landwirtschaft sowie Umwelt- und Ressourcenmanagement spezialisierte Schule HBLA Ursprung in Elixhausen gemeinsam mit der Universität Salzburg und der FH Salzburg Campus Kuchl auf den Grund – wortwörtlich: Mit einem Bagger wurden die schuleigenen Wiesen, die auf drainierten Moorböden liegen, gezielt aufgegraben und untersucht.


Das Ergebnis des ersten Forschungsschritts ist beeindruckend: 3,2 Meter tief reicht die organische Schicht aus altem Torf, Schilf und Lärchenholzresten. Eine Probe aus der untersten Schicht wird derzeit per Radiokarbonmethode datiert – die Wissenschaftler gehen von einem Alter von rund 15.000 Jahren aus.

 

Kohlenstoffspeicher unter Druck

Moore bedecken zwar nur rund drei Prozent der Landfläche, speichern aber etwa 30 Prozent des weltweiten Boden-Kohlenstoffs. Werden sie jedoch entwässert und landwirtschaftlich genutzt, kehrt sich dieser Effekt um: Intensiv bewirtschaftete Moorböden setzen bis zu 34 Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr frei und bauen sich dabei mit bis zu drei Zentimetern pro Jahr unaufhaltsam ab. Laut einer bayerischen Studie werden rund 40 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Moorböden in den nächsten 30 Jahren nicht mehr nutzbar sein.


Für Österreich ist Ähnliches zu erwarten. „Drainagierte Moorböden werden nur noch ein paar Jahrzehnte gutes Grünfutter für die Milchproduktion liefern können. Aber vielleicht findet man Lösungen, die weniger CO2 emittieren lassen oder gar im Boden binden können - auf Mooswiesen,  die der Landwirt selber aussucht und somit zu seiner Bewirtschaftung passen. Das gespeicherte Kohlenstoffdioxid könnte auch ökonomisch wertvoll sein, beispielsweise durch eine Abgeltung von CO2-Zertifikaten oder eben weniger ‘belastete’ Lebensmittel, für die auch ein höherer Preis bezahlt wird“, betont Konrad Steiner, Lehrer an der HBLA Ursprung und Initiator des Projekts.

 

Forschung auf dem eigenen Schulgelände

In den kommenden Jahren werden die Schülerinnen und Schüler der Flachgauer Schule gemeinsam mit Wissenschaftlern die schuleigenen Wiesen systematisch untersuchen. Mithilfe der 14C-Datierung und DNA-Analysen wollen sie den Beginn der Moorbildung und den Pflanzenbestand vor rund 15.000 Jahren rekonstruieren. Zusätzlich vermessen die Universität Salzburg die Flächen per Geoelektrik. Dabei wird Strom in den Untergrund geleitet, um die Mächtigkeit des Moores zu bestimmen. Die Ist-Stand-Erhebung ist auf drei Jahre angelegt.

„Wissen über die Besonderheit von Moorlandschaften und die Eigenschaften von Torfböden ist gerade für die zukünftigen Generationen von Landwirt:innen sehr wichtig, um die Vorteile von Renaturierung bzw. nachhaltiger Nutzung kennenzulernen”, sagt Bernhard Salcher vom Department of Environment and Biodiversity der Universität Salzburg. „Unsere Kooperation mit der HBLA Ursprung erlaubt es uns, das Thema aus wissenschaftlicher sowie praktischer Perspektive zu beleuchten.”

 

Neue Wege für heimische Bauern

Langfristig geht es um mehr als nur Grundlagenforschung. Das Ziel besteht darin, praktikable und ökonomisch tragfähige Modelle für Landwirte zu entwickeln, mit denen sich die CO2-Bilanz der eigenen Milchwirtschaft verbessern lässt. Konkret wird untersucht, ob eine zeitweise Wiedervernässung – etwa über den Winter – die Treibhausgasemissionen senken kann und welche Auswirkungen dies auf die Futterqualität hat.


Zudem soll gemeinsam mit der FH Salzburg, Campus Kuchl, erforscht werden, welche Werkstoffe aus Paludikultur-Pflanzen wie Schilf, Rohrkolben, Sumpf-Seggen oder Rohrglanzgräsern gewonnen werden könnten – und zwar auf Flächen, die ohnehin kaum mehr zu bewirtschaften sind. „Umwelt- und Klimaschutz ist einfach auch Heimat- und Landschaftsschutz”, bringt es Konrad Steiner auf den Punkt. „Wer die eigene Region liebt, lernt sie durch ein solches Programm vielleicht noch mehr schätzen.“

 
 
 

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