Die Dimensionen sind kaum vorstellbar
- Claudia Hude
- vor 1 Stunde
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Eine Delegation des Nationalrates besucht gerade Brasilien. Mit dabei ist die Salzburgerin Carina Reiter. Im Gespräch mit der BauernZeitung berichtet sie von ihren ersten Eindrücken der Landwirtschaft, den modernen Zuchtbetrieben, enormen Dimensionen und offenen Fragen bei Umwelt- und Tierwohlstandards.

Kilometerlange Felder, riesige Maschinen und Weideflächen, die bis zum Horizont reichen: Diese Bilder prägen derzeit die Eindrücke von Nationalrätin Carina Reiter. Die Salzburgerin besucht im Rahmen einer parlamentarischen Fachreise gemeinsam mit Abgeordneten aller Parlamentsparteien landwirtschaftliche Betriebe in Brasilien. „Die Größenordnungen sind für europäische Verhältnisse kaum vorstellbar“, berichtet Reiter der BauernZeitung. „Wenn man vor Ort ist, versteht man erst, welche Bedeutung die Landwirtschaft für das Land hat.“
Ein Programmpunkt führte die Delegation auch auf einen Rinderzuchtbetrieb rund eine Stunde von der Hauptstadt Brasília entfernt. Dort werden Guzerat-Rinder gezüchtet, eine Zebu-Rasse, die besonders gut an Hitze und Trockenheit angepasst ist.
Moderne Zucht als Erfolgsfaktor
Beeindruckt zeigte sich Reiter von der Professionalität der Zuchtarbeit. Der Betrieb setzt auf künstliche Besamung, Leistungsprüfungen und gezielte genetische Selektion. Nach eigenen Angaben konnte so das Absatzgewicht männlicher Tiere seit 2021 um 47 Kilogramm gesteigert werden. „Man merkt, dass hier konsequent an der Weiterentwicklung der Herde gearbeitet wird. Zuchtfortschritt und Leistungsdaten haben einen sehr hohen Stellenwert“, berichtet Reiter.
Überrascht habe sie zudem die Transparenz innerhalb der Branche. Der Zuchtverband betreibt eine öffentliche Datenbank, in der Herkunft und Abstammung der Tiere nachvollzogen werden können. Teilweise lässt sich sogar Fleisch im Supermarkt per QR-Code bis zum Herkunftsbetrieb zurückverfolgen. „Dass jeder die Abstammung der Tiere öffentlich einsehen kann, fand ich bemerkenswert. Das schafft Vertrauen und zeigt, wie stark auf Dokumentation gesetzt wird“, so die Nationalrätin.
Wettbewerbsvorteile auf dem Weltmarkt
Neben der Rinderhaltung prägen vor allem Soja, Mais, Zuckerrohr und zunehmend auch Sorghum, eine Hirseart, die brasilianische Landwirtschaft. Fruchtbare Böden, günstige klimatische Bedingungen und große zusammenhängende Flächen ermöglichen eine Produktion, die in Europa kaum denkbar ist. „Man erkennt schnell, warum Brasilien zu den wichtigsten Agrarproduzenten der Welt zählt. Die natürlichen Voraussetzungen und die Betriebsgrößen verschaffen den Landwirten enorme Vorteile im internationalen Wettbewerb“, sagt Reiter.
Mercosur: Offene Fragen bleiben
Trotz aller positiven Eindrücke sieht die Nationalrätin auch Herausforderungen. Denn die Agrarproduktion in Brasilien hat auch ihre Schattenseiten. Zwar verfügt das Land über Umweltgesetze und Vorgaben zum Schutz von Wäldern und Gewässern. In der Praxis mangelt es jedoch insbesondere in entlegenen Regionen häufig an einer flächendeckenden Kontrolle und konsequenten Durchsetzung.
„Gerade die Rinderhaltung und der Sojaanbau sind Treiber der Entwaldung des Amazonasgebietes und des Cerrado. Und auch beim Tierwohl unterscheidet sich die Situation deutlich von den europäischen Standards“, betont Reiter. Gerade vor dem Hintergrund des EU-Mercosur-Abkommens sei es wichtig, genau hinzusehen. „Wenn europäische und südamerikanische Betriebe miteinander konkurrieren, müssen Fragen zu Umweltstandards, Tierwohl und fairen Wettbewerbsbedingungen geklärt sein“, sagt die Nationalrätin.





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