„Ohne Frauen läuft im ländlichen Raum nichts“
- Claudia Hude
- vor 12 Minuten
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Wenn man Sandra Hasenauer trifft, spürt man sofort: Sie scheut keine Verantwortung. Sie ist verheiratet, Unternehmerin, Mutter, Vizebürgermeisterin in Saalbach-Hinterglemm – und bald Landesleiterin der ÖVP Frauen. Anlässlich des Weltfrauentages haben wir mit ihr über die Rolle und die Bedeutung von Frauen im ländlichen Raum gesprochen – und warum Sichtbarkeit genauso wichtig ist wie Engagement.

BauernZeitung: Frau Hasenauer, was treibt Sie an, sich politisch zu engagieren?
Hasenauer: Meine Motivation ist meine Überzeugung, dass wir Frauen eine Bereicherung für sämtliche Gremien sind – egal in welchem Bereich. Wir bringen eine andere Sichtweise mit ein und wir beleuchten Themen von anderen Seiten. Das liegt daran, dass unser Alltag einfach ein anderer ist als jener vieler Männer. Denn neben unseren Berufen leisten wir in Haushalt und Familie unglaublich viel - und das prägt.
Der ländliche Raum gilt als Rückgrat unseres Landes. Wie groß ist der Anteil der Frauen an dieser Stärke – in Familie, Betrieben, Tourismus und Ehrenamt?
In all diesen Bereichen spielen Frauen eine zentrale Rolle. Oftmals sind sie es, die die Gemeinschaft zusammenhalten und Organisationen und Vereine mit ihrem Engagement tragen. Das machen Männer auch, aber der große Unterschied ist, dass Frauen sich und ihren Einsatz nicht in den Vordergrund spielen. Vielmehr ist es für uns Frauen selbstverständlich, dass wir dafür sorgen, dass alles läuft. Zentral für den Erfolg ist aber immer, dass Frauen und Männer gut zusammenarbeiten und nicht die Geschlechter, sondern das Miteinander im Vordergrund stehen.
Frauen tragen viel Verantwortung – aber haben sie auch entsprechend Einfluss? Sitzen sie dort, wo über Budgets, Infrastruktur oder strategische Entscheidungen entschieden wird?
Will man mitentscheiden, muss man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und Zeit zu investieren. Egal ob in politischen oder strategischen Positionen, viele Frauen zögern oft, diese anzunehmen. Die Fragen nach den zeitlichen Ressourcen aber auch nach den persönlichen Kompetenzen spielen dabei eine große Rolle und bremsen Frauen aus. Und gleichzeitig kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung heraus berichten: Es ist machbar! Wir Frauen können das.
Denken Sie, der ländliche Raum ist noch stärker geprägt von klassischen Rollenbildern?
Das kann man so pauschal nicht sagen, denn das hängt von den handelnden Personen ab. Unser Bürgermeister zum Beispiel ist noch jung und schon mit Ende 20 in das Amt gewählt worden. Er hat ein ganz anderes Rollenverständnis als die Generationen vor ihm. Und auch Frauen haben Vorbehalte gegenüber Frauen. Egal ob in der Stadt oder am Land - es ist leider immer noch nicht selbstverständlich, dass eine Frau selbstständig ihren Weg geht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unsere Meinung sagen und uns nicht beirren lassen. Denn wir leisten mit unserem etwas anderen Blickwinkel einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.
Viele landwirtschaftliche Betriebe funktionieren nur durch die Zusammenarbeit aller. Das Bild des Bauers ist aber in der Gesellschaft allgegenwärtig. Was kann man machen, um Bäuerinnen sichtbarer zu machen?
Dafür ist das internationale Jahr der Bäuerin genial. Denn auch aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass ohne Bäuerin auf den Höfen garnichts geht. Denn oft sind es sie, die mit viel Engagement neue Ideen und frischen Wind auf die Höfe bringen und sie zukunftsfit machen. Aber auch hier sehe ich immer wieder, dass sich die Frauen nicht in den Vordergrund drängen. Bäuerin sein ist Leidenschaft, ihr Einsatz für Familie und Hof wird viel zu oft als selbstverständlich angesehen. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, die Bäuerinnen vor den Vorhang zu holen und ihnen die Wertschätzung entgegen zu bringen, die oft fehlt. Denn sie arbeiten 365 Tage im Jahr für 24 Stunden. Auszeiten oder Urlaube sind kaum möglich und wenn dann nur mit der Unterstützung der gesamten Familie.
Sie übernehmen im April die Leitung der ÖVP Frauen Salzburg. Welche politischen Hebel wollen Sie dort in Bewegung setzen?
Mein Ziel ist, Frauen sichtbarer zu machen und sie darin zu ermutigen, mitzumachen. Gemeinsam mit meinem Team wollen wir Frauen motivieren, sich einzubringen und ihre Stimme zu erheben. Jede Frau soll von sich selbst wissen: „Ich kann das auch.“ Politik betrifft uns alle – sie gestaltet unseren Lebensraum. Deshalb ist es so wichtig, dass Frauen Flagge zeigen, gemeinsam agieren und ihre Anliegen hör- und sichtbar machen.
Was würde sich in Ihren Augen verändern, wenn Frauen stärker mitgestalten würden?
Die Gremien wären bunter, die Diskussionen hätten andere Grundlagen, das Miteinander würde sich verändern. Salzburg ist das einzige Bundesland mit einer Landeshauptfrau und einer Landtagspräsidentin – darauf dürfen wir stolz sein. Denn Frauen, die sich einbringen, können auch andere motivieren. Das stärkt unsere Gesellschaft insgesamt.
Zum Abschluss: Was ist Ihr Appell an Frauen, die noch zögern, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen?
Stellen wir unser Licht nicht unter den Scheffel! Wir Frauen sind eine tragende Säule in unserer Gesellschaft – und ohne uns läuft nichts. Mut, Engagement und Sichtbarkeit sind entscheidend. Denn wenn wir Verantwortung übernehmen, dann können wir auch wirklich etwas bewegen und die Veränderung weiter vorantreiben.





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