Wir Bauern schützen und erhalten die Natur

Claudia Petschl
Von Claudia Petschl August 27, 2020 09:07 Aktualisiert

Wir Bauern schützen und erhalten die Natur

Klaus Vitzthum, Bezirksobmann des Pinzgauer Bauernbundes und Obmann der Bezirksbauernkammer Zell am See ist einer der Eigentümer der Unkenberger Mähder. Er ist davon überzeugt, dass es für einen erfolgreichen Naturschutz das Miteinander von Behörden und Landwirten braucht.

Die Unkenberger Mähder sind seit dem vergangenen Jahr ein Natura-2000-Gebiet? Können Sie uns erklären, was genau das eigentlich bedeutet?

Vitzthum: Der Sinn und Zweck von Natura-2000-Gebieten ist der länderübergreifende Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und der Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume. Diese wurden im Jahr 1992 von der EU initiiert und werden seitdem gefördert.

Und warum wurden die Unkenberger Mähder in das Nautra-2000-Programm aufgenommen?

Vitzthum: Bei den Mähdern handelt es sich um überaus artenreiche, bunt blühende 27 Hektar große Wiesenflächen im Almgebiet. Bis Mitte der 1970er Jahr waren diese ursprünglich fast 180 Hektar umfassenden Wiesenflächen ein wichtiger Baustein der regionalen Futter-Heuversorgung. Kaum gedüngt, ein- bis zweimal im Jahr mühsam per Hand gemäht und mäßig im Ertrag – diese Nachteile haben die Bergmähder langsam aus unserer Kulturlandschaft verschwinden lassen. Aber dank unserer dauerhaften Bewirtschaftung ist es uns gelungen, dieses Juwel über Jahrhunderte hinweg zu erhalten.

Also ein erfolgreiches Beispiel, wie Naturschutz gelingen kann?

Vitzthum: Absolut. Vor allem zeigt sich an den Bergmähdern deutlich, dass Maßnahmen zum Erhalt unserer Kulturlandschaft und der Artenvielfalt nicht in irgendeinem Büro oder von Bürokraten getroffen werden können. Dazu braucht es die Bäuerinnen und Bauern vor Ort, die mit ihrem Fleiß und ihrer Arbeit die notwendigen Schritte setzen um die Natur zu schützen. Daher freut es mich sehr, dass mit Landesrätin Maria Hutter dieses notwendige Miteinander wirklich gelebt wird.

Aber die Bewirtschaftung der Almen wird auch immer herausfordernder. Wir haben Sie das Kuhurteil aufgenommen? 

Vitzthum: Das Kuhurteil war ein schwerer Schlag für uns Landwirte. Wir stellen unsere Almen den Wanderern gerne zur Verfügung, aber es muss klar sein, dass sie in erster Linie Wirtschafträume und Weideflächen für unsere Tiere sind. Ich kann daher nur an den Hausverstand der Wanderer appellieren: Weidetiere und im besonderen Kühe sind keinen Streicheltiere. Es ist notwendig, ihnen mit dem notwendigen Respekt und auch Abstand zu begegnen. Nur so werden wir unfallfrei durch den Sommer kommen und die Almen auch in Zukunft als Wandergebiete erhalten können.

Nicht nur das Kuhurteil, sondern auch die Auswirkungen des Klimawandels werden nach und nach spürbar. Kann einem Verlust der Weideflächen vorgebeugt werden?

Vitzthum: Der bekannte Spruch „Dem Vieh muss das Futter ins Mail wachsen“ hat mehr Aktualität denn je. Durch den Klimawandel sprießt das Futterangebot auf den Almflächen immer früher, was Anpassungen und Änderungen in der aktuellen Agrarpolitik notwendig macht. Auftriebszahlen zu begrenzen, wie das aktuell vorgeschrieben ist, wirkt sich gegenteilig auf das Ziel aus, Almen als Weideland zu erhalten. Es braucht einen rechtzeitigen Auftrieb je nach Höhenlage und Bewuchs sowie mehr Weidetiere, die über Koppeln gleichmäßig über die Futterflächen der Almen gelenkt werden. Genau das wird in einem aktuellen Projekt von Land, LWK, Almwirtschaft und Maschinenring umgesetzt und zeigt erste Erfolge.

Claudia Petschl
Von Claudia Petschl August 27, 2020 09:07 Aktualisiert