Schwaiger: Fordere offene Diskussion über die Folgen der Wolfansiedelung

Salzburger Bauernbund
Von Salzburger Bauernbund Juni 28, 2016 15:10

Schwaiger: Fordere offene Diskussion über die Folgen der Wolfansiedelung

Mehrere Wolfsrisse in Salzburg im Jahr 2015 und der jüngste bestätigte Fall eines Wolfsrisses in Fusch an der Glocknerstraße haben zu einer Diskussion über das Miteinander von Wolf und Almwirtschaft im Land Salzburg geführt. Die vom Wolf in Fusch gerissenen Tiere werden dem Besitzer finanziell entschädigt.

Landesrat Josef Schwaiger geht es jedoch um mehr als nur den finanziellen Ausgleich. Es stellt sich die Frage, welche mittel- bis langfristigen Auswirkungen die zunehmende Verbreitung des Wolfes im Alpenraum hat.

„Es ist kurzsichtig zu glauben, dass die gehäuften Fälle von Wolfsrissen ein alleiniges Problem der Landwirtschaft sind. Die Auswirkungen werden in Zukunft viel weiter gehen, wie etwa Beispiele in Deutschland zeigen. Es besteht die ernsthafte Gefahr, dass es früher oder später auch massive Auswirkungen auf die Kulturlandschaft, den Tourismus und den gesamten ländlichen Raum geben wird“, so Agrarlandesrat Schwaiger am 28. Juni 2016.

Die von Naturschützern geforderte Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen etwa durch Einzäunung der Almen und Hirtenhunde stellen dabei für Schwaiger nur eine theoretische Lösung dar. „Hunderte Hektar große Almflächen wolfsdicht einzuzäunen, Nachtpferche für Schafe auf Almen zu errichten und Hirtenhunde anzuschaffen, die nicht nur Wölfe, sondern auch Wanderer als Feinde der Schafe sehen, ist für die Almbauern existenzbedrohend, für die öffentliche Hand nicht finanzierbar und für den Tourismus verheerend. Darüber hinaus befürchte ich einen nachhaltigen Schaden für Tourismus und Gesellschaft im Land Salzburg, wenn die Kulturlandschaft auf den Almen durch einen Rückgang der Beweidung verloren geht. Die Forderung nach Herdenschutzprogrammen und finanzieller Unterstützung durch die öffentliche Hand widerspricht einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld“, erklärte Schwaiger.

Der Agrarlandesrat stellt deshalb klare Forderungen auf, wie seiner Ansicht nach das Thema weiter zu behandeln ist. „Wir müssen jetzt dringend klären, welche Folgen die Wiederansiedelung des Wolfs nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für alle Lebensbereiche der Menschen in Salzburg hat. Der ländliche Raum ist kein Zoo, sondern vor allem Lebensraum und Wirtschaftsraum für Menschen. Es gibt im Pinzgau bereits eine große Alm, auf die keine Tiere mehr aufgetrieben werden, und ich habe keine Argumente, um die Almbauern von dieser Entscheidung abzubringen“, so Schwaiger.

Schwaiger fordert, dass beim Thema Wolf neben den wildökologischen Aspekten auch gesellschaftliche, regionalwirtschaftliche, soziokulturelle und finanzielle Aspekte beleuchtet werden. Sollte man zum Ergebnis kommen, dass gesellschaftliche, regionalwirtschaftliche, soziokulturelle und finanzielle Aspekte einer weiteren Verbreitung des Wolfs im hohen Maße entgegenstehen, muss über die Anpassung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU beraten werden.

Das wäre für den Landesrat ein deutliches Zeichen der EU, dass diese im Sinne der Menschen handelt und nicht um jeden Preis ein gut gemeintes Naturschutzprojekt durchsetzt. Denn Politik für Menschen bräuchte die EU mehr denn je.

„Ich will kein weiteres Papier in Auftrag geben, auf dem steht, wie es theoretisch ginge. Ein Managementplan wird den Wolf nicht davon abhalten, in Salzburg Rudel zu bilden und sich ohne natürliche Feinde in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft auszubreiten. Ich erwarte mir eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die alle Facetten beleuchtet und nicht eindimensional den Wolf betrachtet. Mir ist dabei vor allem das gegenseitige Verständnis für die verschiedenen Positionen wichtig, um in der weiteren Diskussion einen für allen gangbaren Weg zu erreichen“, so Schwaiger abschließend.

Hier ein Film auf ZDF zum Thema: Der Wolf vor der Haustür

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Von Salzburger Bauernbund Juni 28, 2016 15:10