Schluss mit klimaschädlichen Preisschlachten

Salzburger Bauernbund
Von Salzburger Bauernbund Februar 13, 2020 12:18

Schluss mit klimaschädlichen Preisschlachten

Der Bauernbund fordert österreichweit einen „Green Deal“ vom Handel

„Nimmt der Handel Klimaschutz ernst, muss er österreichischen Lebensmitteln mehr Wertschätzung beimessen. Es ist nicht zu erklären, dass Handelsketten Erdäpfeln aus Ägypten, Fleisch aus Südamerika oder Gemüse aus Fernost Vorrang geben und mit unfairen und unmoralischen Preisschlachten dann noch den Strukturwandel in der heimischen Landwirtschaft befeuern. Diese ‚Geiz ist geil‘-Mentalität in der Preisgestaltung muss endlich durch den neuen ökosozialen Grundkonsens des 21. Jahrhunderts ersetzt werden. Alles andere entspricht nicht mehr den Wünschen der Gesellschaft. Einzelne Handelsketten haben den Ernst der Lage bereits erkannt und eingelenkt, andere bleiben bei ihrer Strategie: Egal woher, Hauptsache billig“, so der Österreichische Bauernbund unisono mit den neun Länderorganisationen.

Preisschlachten schädigen Klima, Bauern und Verarbeiter

Der Internationale Lebensmittel-Nachhaltigkeits-Index reiht insgesamt 67 Länder aus der ganzen Welt gemäß ihrer Nachhaltigkeit des Lebensmittelsystems. Österreichs Landwirtschaft belegt demnach den sensationellen ersten Platz. „Eines unserer Grundprobleme ist, dass wir Bäuerinnen und Bauern tagtäglich Lebensmittel in höchster Qualität produzieren, dafür aber kaum Wertschätzung erhalten. Auf unseren Höfen wird so viel gearbeitet wie noch nie, die Landwirte können mit dem erwirtschafteten Einkommen aber kaum mehr überleben“ kritisiert der Obmann des Salzburger Bauernbundes Präs. Rupert Quehenberger.

In kaum einem anderen Land gibt es so viele Rabatt-Aktionen bei Lebensmitteln wie in Österreich. Die Folge dieser unfairen und unmoralischen Angebote sind unterdurchschnittlich niedrige Haushaltsausgaben für Lebensmittel pro Kopf. Laut Eurostat weißt Österreich mit nur 9,7 Prozent EU-weit die viertniedrigsten Ausgaben für Lebensmittel auf. „Höchste Lebensmittelqualität durch unsere bäuerlichen Betriebe erzeugt, mit Verzicht auf Gentechnik, chemischen Handelsschutz und Handelsdünger – und das alles natürlich zum niedrigsten Preis. Das wollen alle haben, aber keiner ist bereit, dafür mehr zu bezahlen. Die Preisschlachten des Handels dürfen nicht länger auf dem Rücken unserer Bäuerinnen und Bauern ausgetragen werden“, so Quehenberger.   

Nachhaltigkeitskampagnen müssen jetzt Taten folgen

Nach zwei Dürrejahren sind viele landwirtschaftliche Betriebe auf eine rasche Verbesserung ihrer Einkommenssituation angewiesen. Auch Produktions- und Verarbeitungskosten steigen ständig. Das alles befeuert den Strukturwandel in der Landwirtschaft massiv. Viele Bauern müssen ihre Höfe für immer zusperren. Nur wenn Bauern, Verarbeiter und Handel gemeinsam dem Struktur- und Klimawandel entgegentreten, kann sich was ändern. Alleine werden österreichische Bauernfamilien diese Mammutaufgaben nicht stemmen können. „Wir diskutieren tagtäglich wie wichtig uns Regionalität ist, aber um diese auch in Zukunft erhalten zu können, braucht es ein Umdenken in der Bevölkerung und die Unterstützung der Lebensmitteleinzelhändler. Denn es kann nicht sei, dass man bereit ist, für ein neues Handy 1.000 Euro und mehr auszugeben, aber zehn Cent Preiserhöhung bei einem Liter Milch ein Weltuntergang sind. Wir erwarten hier mehr Unterstützung für unsere Landwirte“, fordert Quehenberger die Lebensmitteleinzelhändler auf, bei ihrer Preisgestaltung rasch umzudenken.

Bauernbund fordert „Green Deal“ mit Handel

Die EU-Kommission will mit dem „Europäischen Green Deal“ Europa in den kommenden Jahren sauberer, nachhaltiger und grüner machen. Das bedeutet auch für die Landwirtschaft, dass neue Maßnahmen zum Schutz des Klimas eingeführt werden, wie etwa die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und insgesamt weniger CO2-Ausstoß. Investitionen und höhere Auflagen sind die Konsequenz. Diese Politik muss auch der Handel mittragen. Diese Zielsetzungen kosten den Bauern viel Geld. „Die aktuelle Entwicklung kann so nicht mehr weitergehen. Jedes Jahr werden immer noch mehr Leistungen von uns Landwirten eingefordert, diese bleiben aber großteils unbezahlt. Es ist an der Zeit, dass der Handel endlich als fairer Partner der landwirtschaftlichen Betriebe auftritt und sich nicht länger auf dem Rücken der Bäuerinnen und Bauern profiliert. Ich erwarte mir, dass der Handel ehrlich ist und das verkauft was er verspricht: regionale Lebensmittel mit höchster Qualität und das zu fairen Preisen. Denn nur so wird es uns gelingen, die Salzburger Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form zu erhalten“, so Quehenberger abschließend.

Salzburger Bauernbund
Von Salzburger Bauernbund Februar 13, 2020 12:18