„Problemwolf“ – wird zum Abschuss freigegeben!

Monika Jansel
Von Monika Jansel Juni 24, 2020 10:40

„Problemwolf“ – wird zum Abschuss freigegeben!

Der Entnahmebescheid der BH St. Johann ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, die Verfahren müssen aber künftig Beschleunigt werden.

Vor rund einem Jahr stellte die Agrargemeinschaft Tofernalm in Großarl den Antrag zum Töten des Wolfs. Damals waren innerhalb weniger Wochen insgesamt 24 Schafe gerissen worden, vier weitere wurden verletzt und elf vermisst.

Abschuss EU-weit erstmals genehmigt

Fast ein Jahr nach Antragsstellung ist nun der Bescheid der Bezirkshauptmannschaft St. Johann ergangen, der Abschuss eines Wolfes wurde erstmals genehmigt. Die Behörde betritt damit Neuland im EU-Recht. Die zentralen Fragen im Verfahren waren, ob sich die Wolfspopulationen in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet befinden, ob es andere Möglichkeiten als den Abschuss gibt und ob dadurch der im EU-Recht geforderte „günstige Erhaltungszustand“ verhindert oder weiter verschlechtert wird. „Wir haben diese Entscheidung so erwartet, sie ist nach den Ereignissen 2019 auf der Tofernalm aus rechtlicher Sicht und aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der Befunde der Expertengutachten die logische Folge“, so Präs. Rupert Quehenberger.

Wolfsplan Grundlage für Entscheidung

Das Rückgrat für die Entscheidung der BH bildet der Wolfsmanagementplan des Landes, der gemeinsam mit NGOs und Vertretern von Behörden, Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd erarbeitet wurde. In diesem Managementplan wird ein „Problemwolf“ genau definiert: Es muss ein einzelner Wolf sein, der 25 Nutztiere innerhalb eines Monats trotz zumutbarer Schutzmaßnahmen oder in nicht schützbaren Bereichen tötet oder verletzt. Dabei handle es sich um ein Tier, das sich aufs Töten von Nutztieren spezialisiert hat. In solchen Fällen wird ein Antrag auf Entnahme empfohlen.

Verfahrensdauer zu lange

„Aus unserer Sicht ist dieser Bescheid sachlich richtig und fachlich gerechtfertigt. Allerdings zeigt die Verfahrensdauer von knapp einem Jahr sehr deutlich, dass dieses Verfahren denkbar ungeeignet ist, um den Weidehaltern und Almbauern auch nur annähernd eine Hilfe zu sein. Die räumliche Beschränkung auf die BH St. Johann, die dann nicht mehr zuständig ist, wenn der Problemwolf ein paar Kilometer in den benachbarten Pinzgau weiterzieht, macht für Großraubtiere wie den Wolf keinen Sinn. Auch ist davon auszugehen, dass der Bescheid von NGOs beeinsprucht wird, was aufschiebende Wirkung hat und weitere, wahrscheinlich jahrelange Verzögerungen bewirken wird“, so Präsident Rupert Quehenberger, der nun mit Nachdruck Änderungen im Verfahren fordert: „Die betroffenen Bauern und Weidehalter brauchen Sicherheit und eine rasche Reaktion beim Auftreten von Problemwölfen muss möglich sein. Konkret wollen wir eine Verordnung, die Weideschutzgebiete ausweist. In diesen muss die Weidehaltung Vorrang genießen. Wenn hier ein Problemwolf die Kriterien des Wolfsmanagementplanes erfüllt, dann muss eine Entnahme umgehend ohne Bescheidverfahren möglich sein.“

Monika Jansel
Von Monika Jansel Juni 24, 2020 10:40