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  • Claudia Hude

Die Stadtbauern halten sich

Über 90 aktive Land- und Forstwirte gibt es noch in der Stadt Salzburg. Stärker als in anderen Bezirken spüren sie die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels, auch der Druck auf Grund und Boden ist enorm, meint Bauernbund-Stadtobmann Franz Wolf.

 


Bezirksobmann Franz Wolf

Bauernzeitung: Lieber Franz, ist es nicht ein Widerspruch in sich, als Landwirt in der Stadt zu arbeiten?

WOLF: Garnicht. Es gibt über 90 Bauern in der Stadt Salzburg und die Zahl bleibt konstant. Natürlich gibt es bei uns viele Direktvermarkter, aber die Stadtbauern sind in allen erdenklichen Wirtschaftszweigen aktiv. Vom Acker- über den Gemüsebau, von der Milchwirtschaft über Mastbetriebe bis hin zu Pferdehöfen. Wir Stadtbauern sehen uns als Nahversorger und Landschaftserhalter, wir sind die wahren Naturschützer.

 

Zuwenig Wohnraum in der Stadt, großes Interesse von Immobilienentwicklern und der Grundbesitz der Bauern - wie geht ihr mit diesem Spannungsverhältnis um?

Das Interesse an unseren Gründen ist groß. Aber wie alle anderen Landwirte auch brauchen wir unsere Flächen zur Aufrechterhaltung unserer Betriebe. Das verstehen viele Salzburgerinnen und Salzburger nicht. In der Realität ist es auch so, dass die meisten Flächen im Landschaftsschutzgebiet liegen, was einen Verkauf bzw. eine Verbauung ohnehin unmöglich macht. 

 

Beeinflusst euch das Landschaftsschutzgebiet bzw. die Grünlanddeklaration?

Die Grünlanddeklaration betrifft vor allem die südlichen Stadtteile. Diese werden aber massiv durch sie eingeschränkt. Dinge wie Grabenräumungen dürfen zum Beispiel nur in Abstimmung mit dem Naturschutz gemacht werden.  

 

Wie geht es euch beim Thema Nutzungskonflikte? Seid ihr Stadtbauern davon stärker betroffen als andere?

Natürlich leben und arbeiten wir in einem Ballungsraum. Salzburg hat viele Grünflächen, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt als Naherholungsgebiet genutzt werden. Und natürlich haben wir immer wieder Probleme mit Menschen, denen nicht bewusst ist, dass es sich bei den Wiesen und Feldern um Privatbesitz handelt. Wir Stadtbauern müssen viel kommunizieren und sind auch sehr tolerant. Aber es kann nur miteinander gehen, auch die Bevölkerung muss auf uns zugehen und Verständnis zeigen.


Hundekot ist dann wohl auch ein Thema?

Ja, Hundekot ist ein großes Thema. Viele meiner Kollegen verwenden das Grünlandfutter, das neben Wegen wächst, nicht mehr, weil es massiv durch Hundekot verschmutzt und die Gefahr für unsere Tiere einfach zu groß ist. Und auch wildernde Hunde sind in der Stadt ein Thema. Auch wenn mittlerweile die meisten Tiere an der Leine geführt werden, sind diese oft sehr lang und junge Wildtiere werden trotzdem gerissen.

 

Zum Abschluss eine etwas überspitzte Frage: Haben die Stadtbauern eine Zukunft?

Unser Selbstverständnis als Stadtbauern ist es, dass wir für die Bevölkerung und unser schönes Salzburg arbeiten. Als Nahversorger und Landschaftspfleger leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Stadt und für den Tourismus. Ebenso wie alle Bäuerinnen und Bauern wollen auch wir unsere Betriebe an die kommenden Generationen weitergeben.

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