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  • Claudia Hude

Der Pinzgau stellt sich gegen den Trend

Wegen Preisdrucks, steigender Pachtpreise, fehlendem Nachwuchs oder vieler anderer Gründe geben jedes Jahr Land- und Forstwirte die Bewirtschaftung ihrer Höfe auf. Nur im Pinzgau gibt es sogar mehr Bauern als in den Vorjahren - als einziger Bezirk in ganz Österreich.


Bezirksobmann Klaus Vitzthum

BAUERNZEITUNG: Herr Vitzthum, als Obmann des Pinzgauer Bauernbundes und der Bezirksbauernkammer kennen Sie Ihren Bezirk wie kaum ein Zweiter. Was macht den Pinzgau so besonders?

Vitzthum: Wir im Pinzgau sind die Region, wo seit dem EU-Beitritt 1995 am wenigsten Bauern aufgehört haben. Einer der Gründe ist sicher die Ko-Existenz zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Landwirte schaffen sich zweite Standbeine, entweder direkt im Tourismus – etwa durch Urlaub am Bauernhof – oder indirekt – über die Bergbahnen. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass wir im Pinzgau noch viele haben, die Landwirtschaft erfolgreich betreiben können.


Welche großen und kleinen Themen beschäftigen die Land- und Forstwirte?

Ich bin nun seit beinahe 10 Jahren Bauernbund- und BBK-Obmann. Der Pinzgau zeichnet sich vor allem durch seine starke Almwirtschaft aus. Zwischen 700 und 800 Almen werden bewirtschaftet und es überrascht nicht, dass eines der dominierenden Themen der Wolf ist. Hier ist die Meinung unter den Land- und Forstwirten klar: Die Almflächen müssen zu wolfsfreien Zonen erklärt werden, damit wir Problemwölfe entnehmen und somit unsere Tiere und unsere Almen schützen können. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Almwirtschaft auch in Zukunft für den Bauern attraktiv bleibt. Hier kommt den Flächenfeststellungen eine bedeutende Rolle zu.


Ob seiner Schönheit ist der Pinzgau auch ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Hat das Auswirkungen?

Das Verständnis dafür, dass die Felder, Wiesen, Wälder und Almen im Besitz der Bäuerinnen und Bauern sind hat deutlich nachgelassen. Zudem steigt, vor allem seit Corona, die Zahl der Erholungssuchenden massiv an. Wir sehen eine Überbenutzung von Wegen, Verschmutzungen aber auch eine extreme Beunruhigung des Wiedeviehs und der Wildtiere. Wenn all jene, die unsere Kulturlandschaft nutzen auch weiterhin alle Regeln ignorieren, werden wir über Sanktionen nachdenken müssen. Die Einführung einer Alpinpolizei nach Vorbild von Südtirol oder der Schweiz halte ich dabei nicht für ausgeschlossen.


Viel wird aktuell über den Hochwasserschutz gesprochen. Was bedeutet das?

Rückhaltebecken sollen die Bevölkerung in den Tälern schützen und wir Bauern stellen dafür unsere Flächen zur Verfügung. Es muss aber auch eine entsprechende Abgeltung geben, wenn unsere Gründe dann durch ein Hochwasser beschädigt und nicht mehr nutzbar sind. Wir sind aber positiv, dass hier eine Einigung gefunden wird.


Wie schaut es beim Thema Umweltschutz im Pinzgau aus?

Die Land- und Forstwirte passen auf die Natur auf. Die Generalanschuldigungen, die von allen Seiten kommen sind absurd und müssen endlich aufhören. Wir wissen was wir tun und arbeiten im Einklang mit der Natur. Klar ist für uns auch, dass eine Außernutzungstellung von Flächen und Wäldern der völlig falsche Weg ist, um dem Klimawandel zu begegnen.

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