„Pestizide“ – Falsche Interpretation schadet unserem Image!

Monika Jansel
Von Monika Jansel Juni 26, 2020 10:44

„Pestizide“ – Falsche Interpretation schadet unserem Image!

Die unreflektierte mediale Berichterstattung über den Anstieg des Pflanzenschutzmittelgebrauch in der österreichischen Landwirtschaft wirft ein falsches Bild auf die hochqualitative Arbeit der Bäuerinnen und Bauern. „Die Gründe hierfür wurden von den Medienvertretern nicht ausreichend recherchiert und sind leicht erklärbar“, so Präs. Rupert Quehenberger.

Berichte mehrerer Medien, auch des ORF, über eine vom Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) veröffentlichte Pflanzenschutzmittel-Statistik, ließen in den vergangenen Wochen die Wogen hochgehen. Laut Eurostat ist in Österreich der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln in den Jahren 2011 bis 2018 um 53 % gestiegen.

Gründe für Anstieg leicht erklärbar

„Der gestiegene Pestizidverbrauch in Österreich hat eindeutige Ursachen: Es sind dies hauptsächlich das Gas CO2 sowie die Wirkstoffe Schwefel und Kupfer“, erklärt der Obmann des Salzburger Bauernbundes und Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg. „Vor allem das CO2 hat zu einem massiven Anstieg in der Statistik geführt. Denn dieses wird von der EU erst seit dem Jahr 2016 als Wirkstoff, der gegen Vorratsschädlinge in der Lagerhaltung und nicht am Feld eingesetzt wird, erfasst.“ Dies habe in der Statistik zu der Erhöhung des massiven Insektizid-Anteils von 149 t im Jahr 2011 auf 1.580 t im Jahr 2018 geführt.

Ein weiterer Grund für den deutlichen Anstieg liegt auch in der Anwendung von Schwefel und Kupfer, die vornehmlich im Bio-Landbau und vermehrt in der integrierten Produktion von konventionell wirtschaftenden Landwirten eingesetzt werden. „So zeigt das Ansteigen der Schwefelmenge von 675 t im Jahr 2011 auf 1.151 t im Jahr 2018 eindeutig das gleichzeitig starke Wachstum der Bio-Bewirtschaftung“, so Quehenberger.

Alle Wirkstoffe und Substanzen in einem Topf

„Leider bestätigt sich einmal mehr, dass man keiner Statistik glauben darf, die man nicht selbst erstellt hat. Bei den Eurostat-Daten ist ganz klar zu bekritteln, dass diese undifferenziert sind und alle Wirkstoffe bzw. Substanzen in einen Topf werfen. Man muss auch auf die Entwicklung der Verwendung im Untersuchungszeitraum von 2011 bis 2018 hinweisen. Die Entwicklung bestand auch darin, dass hochwirksame Wirkstoffe mit geringen Aufwandmengen je Hektar oder pro Tonne Erntegut durch oft weniger wirksame Mittel in größeren Mengen ersetzt werden mussten“, so Quehenberger. 

Verantwortungsvolle Interpretation der Statistik

Die mengenmäßige Darstellung verwendeter Pflanzenschutzmittel ist an sich schon ein untaugliches Instrument, da sie nichts über die biologische Wirksamkeit, Toxizitäte, Effizienz oder Auswirkungen auf die Umwelt aussagt. Das beste Beispiel ist Kohlendioxid, das in diesem Zeitraum andere Lagerschutzmittel größtenteils ersetzt hat. Darüber hinaus wird es nicht auf den Feldern, sondern zum sauerstoffdichten Abschluss verwendet und ist in Lebensmitteln keineswegs schädlich für Mensch, Tier oder Umwelt. „Eine verantwortungsvolle Interpretation der Statistik hätte alle Fakten auf jeden Fall berücksichtigen und auch kommunizieren müssen“, mahnt Rupert Quehenberger.

Monika Jansel
Von Monika Jansel Juni 26, 2020 10:44