Heimische Produkte kaum Konkurrenzfähig

Monika Jansel
Von Monika Jansel Juli 27, 2020 13:26

Heimische Produkte kaum Konkurrenzfähig

Christoph Buttenhauser ist Geschäftsführer von Salzburger Land-Ei, ein Zusammenschluss von 14 Salzburger Geflügelbauern, die auf das wirtschaften im Einklang mit der Natur achten.

Herr Buttenhauser, können Sie uns einen kurzen Einblick in den Salzburger Geflügelmarkt geben?

Buttenhauser: In Salzburg gibt es um die 100 Betriebe, die mehr als 350 Stück Geflügel haben und somit auch amtlich registriert sind. Der wichtigste Wirtschaftsfaktor bei uns im Bundesland sind dabei die Legebetriebe, die mit 80 registrierten Betrieben einen Großteil ausmachen, die restlichen 20 Betriebe sind Mast- und Aufzuchtbetriebe. Große Abnehmer unserer Betriebe sind natürlich der Handel und die Gastronomie. Allerdings ist auch die Direktvermarktung im Bundesland sehr stark. Hier hat sich das Bewusstsein in der Bevölkerung deutlich verändert und viele Menschen kaufen ihre Eier regional ein.

Also ist ein starker Trend zu Bio zu erkennen?

Gerade aufgrund der topografischen Gegebenheiten ist Bio in Salzburg ein riesen Thema. Ich würde das aber nicht unbedingt nur auf das Thema Bio beschränken. Gerade von Seiten der Konsumenten ist ein klarer Trend hin zu Eiern aus Freilandhaltung zu erkennen. Vor allem in der Direktvermarktung ist das ein großes Thema, viele Landwirte haben hier auch reagiert und haben zum Beispiel begonnen, mobile Stallungen einzusetzen. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass sich diese Entwicklung bei den Großabnehmern wie der Gastronomie oder der Hotelerie noch nicht überall durchgesetzt hat. Dort sind zwar oft einmal die Frühstückseier von Freilandhühnern, der Großteil der Produkte, die dann aber in der Küche eingesetzt werden, stammen aus der Bodenhaltung oder sind nach wie vor auch billige ausländische Eier, wo ganz andere Produktionsbedingungen wie in Österreich herrschen. Das ist einfach eine Preisfrage.

Ein großes Handelsunternehmen wirbt damit, nur noch heimisches Putenfleisch anzubieten, hatte aber großen Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Können Sie sich diese erklären?

Bei uns gibt es im gesamten Geflügelbereich, aber vor allem beiden Puten sehr strenge Auflagen, die unsere Produkte mit jenen aus dem Ausland kaum konkurrenzfähig machen. Dort sind zB die Besatzdichten viel höher. Dazu kommt, dass sehr hohe Investitionen notwendig sind, um eine Putenmast wirtschaftlich erfolgreich betreiben zu können. Hier spreche ich von Investitionsvolumen von zumindest 1,5 Millionen Euro. Da trauen sich natürlich viele Betriebe nicht drüber. Und vor allem in Salzburg ist es kaum möglich, entsprechend große Flächen zu finden, die für die Stallungen benötigt werden.

Gibt es Maßnahmen, die von Seiten der Politik gesetzt werden können?

Für die gesamte Geflügelwirtschaft wäre es sehr wichtig, die Töpfe für die Investitionsförderung wieder aufzufüllen. In Salzburg werden schon seit März 2018 keine Anträge mehr entgegengenommen. Das ist sehr schade. Ich weiß von vielen Salzburger Betrieben die gerne investieren würden, aber darauf warten, wie sich die Situation mit der Investitionsförderung weiterentwickelt.

Hängt es also letztlich nur am Geld?

Die Förderung ist natürlich ein großer und wichtiger Faktor. Aber gleichzeitig bräuchte es auch ein Umdenken in der Bevölkerung. Gerade im Geflügelbereich ist eine Massenproduktion notwendig, um unseren Eigenbedarf zu decken. Hier spreche ich von Betrieben mit 40.000 Stück. Der Verbrauch sowohl bei Fleisch als auch Eiern ist da und unsere Auflagen sind bei weitem höher als jene im Ausland, wo Betriebe mit mehr als 100.000 Stück Federvieh keine Seltenheit sind und wo von Tierwohl keine Rede mehr sein kann. Und nicht zuletzt müssen auch die Preise im Handel an unsere Bedingungen angepasst sein, um den Bereich für die Landwirte attraktiv zu gestalten.

Monika Jansel
Von Monika Jansel Juli 27, 2020 13:26