Eßl und Quehenberger: Bei Reform der GAP an die Bergbauern denken

Salzburger Bauernbund
Von Salzburger Bauernbund September 12, 2013 13:50

Eßl und Quehenberger: Bei Reform der GAP an die Bergbauern denken

Eine Anpassung der Ausgleichszahlungen ist absolut notwendig.


ReformGAP

Unter dem Massiv des Hohen Göll liegt der „Hochschaufler“, der Bergbauernhof der Familie Meisl in Kuchl. Er zählt zur BHK-Gruppe 3, einer der Höfe, auf denen durch Steilflächen extreme Arbeitsbedingungen herrschen. „Die Bewirtschaftung eines Bauernhofs in dieser Lage ist nicht gewinnbringend“, sagt Andreas Meisl. Auf seiner Landwirtschaft hat er Mutterkuhhaltung auf zehn Hektar Grünland. Zusätzlich bearbeitet er als Forstwirt 30 Hektar Wald und das ermöglicht ihm die Bewirtschaftung im Vollerwerb. Seine Steilflächen kann er einmal im Jahr mähen. „Das geht nur mit hangtauglichen Maschinen, Sense, Rechen und Gabel. Sechs bis sieben Leute brauche ich dazu, damit wir diese Steilflächen, die mit der Hand zu bearbeiten sind, an einem Tag schaffen.“

„Die Leute sind nicht mehr am Betrieb wie früher“, sagt BBK-Hallein-Obmann Rupert Quehenberger. „Es ist auch schwierig, extreme Steilflächen zu verpachten. Die Alternative wäre, die Flächen zuwachsen zu lassen. Diese Flächen sorgen auch für Produktion – hier entstehen Lebensmittel. Es wäre nicht nur landschaftlich ein sehr großer Verlust, wenn es sie nicht mehr gäbe.“

 

Aufwand steigt, Einkünfte sinken

Der Arbeitsaufwand für einen Bergbauern ist wesentlich höher als im Tal. Die Einkünfte allerdings nicht. Mit dem erhöhten Aufwand und den erhöhten Kosten kann die Entwicklung der Einkommenssituation nicht mithalten – die Einkünfte steigen nur schleppend.

Im Berghöfekataster werden die Bergbauernbetriebe mit erschwerten Produktionsbedingungen in fünf verschiedene Gruppen eingeteilt. Die Einteilung erfolgt einzelbetrieblich mit Punkten nach Gelände-, Klima- und Verkehrsbedingungen. Insgesamt gibt es in Salzburg knapp 6.000 Bergbauernbetriebe mit Erschwernispunkten, rund 3.000 von ihnen arbeiten im Vollerwerb.

 

Bei jenen der BHK-Gruppe 4 sind die Einkünfte sogar stark gesunken. Laut „Grünem Bericht“ hatte eine Familienarbeitskraft 2006 am Bergbauernhof der BHK-Gruppe 4 ein durchschnittliches Einkommen von 13.904 Euro pro Jahr. Im Jahr 2012 waren es nur noch 9.625 Euro. Insgesamt, über alle BHK-Gruppen, stieg das Einkommen von 2006 bis 2012 um 6,5 Prozent.

Zum Vergleich: Das Jahreseinkommen eines Industriearbeiters stieg von 2006 bis 2011 von durchschnittlichen 25.551 Euro um 3.125 Euro auf 28.676 Euro – das ist ein Drittel von dem, was der Bergbauer jährlich überhaupt verdient. 

 

Während sich die Einkommen der Bergbauern also wenig entwickeln, werden die Kosten aber höher. Auch auf Steilflächen kommt man nicht darum herum, dort, wo es möglich ist, mit Maschinen zu arbeiten. „Wenn man nicht mit perfekten Geräten unterwegs ist, wird das sehr gefährlich und kann oft zu Unfällen, sogar mit tödlichem Ausgang, führen“, sagt LK-Präsident Franz Eßl. Bei Flächen mit einer Hangneigung von mehr als 25 % ist die technische Weiterentwicklung aber unverhältnismäßig teuer, weil man zur Bewirtschaftung Spezialmaschinen braucht. So bringt die Bewirtschaftung von Steilflächen einen deutlichen Kostennachteil.

Eßl fordert finanzielle Erhöhung um 20 Prozent

„Die Behauptung, bei den Ausgleichszahlungen für Bergbauern wäre der positive Effekt nicht nachvollziehbar, lasse ich nicht gelten“, so Eßl. „Es ist absolut notwendig, Bergbauern im Rahmen der neuen GAP kräftiger als bisher zu unterstützen. Sie machen ein Stück Lebensqualität greifbar, sorgen für das so geliebte Ambiente der Salzburger, auch sie arbeiten umweltgerecht und tragen zum Wohlfühlfaktor im Bundesland bei. Die flächendeckende Bewirtschaftung durch die Bergbauern ist gefährdet. Die Folgen (Verwaldung etc.) wären gravierend. Wir brauchen eine deutliche Erhöhung der Ausgleichszahlungen für Bergbauern, und zwar um mindestens 20 Prozent, besonders für Betriebe, die extreme Steilflächen bewirtschaften, sodass ihre Leistungen insgesamt entsprechend honoriert werden. Die Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Bergbauern muss über die öffentliche Hand erfolgen, denn sonst sind die Bergbauern nicht wettbewerbsfähig. Sie können mit jenen Bauern in Europa, die günstigere Produktionsbedingungen haben, nicht mithalten. Seit 2001 gab es hier keine Veränderungen, keine Anhebung der Gelder“, so Eßl weiter.

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Von Salzburger Bauernbund September 12, 2013 13:50