Resolution: Wolf

Salzburger Bauernbund
Von Salzburger Bauernbund Juni 4, 2018 10:23

Salzburg ist mit einem Anteil von mehr als einem Drittel der Landesfläche ein von Grünland und Weidehaltung geprägtes Bundesland. Insgesamt werden dabei jedes Jahr über 100.000 Rinder, 35.000 Schafe und Ziegen sowie 5.000 Pferde und sonstige Nutztiere auf Weiden gehalten. Für rund 60 % der tierhaltenden Betriebe im Bundesland Salzburg stellen die Almen eine wichtige zusätzliche Futtergrundlage für die Tierhaltung dar. Die Weidewirtschaft ist neben der Produktion hochwertiger Lebensmittel dafür verantwortlich, dass die Kulturlandschaft in Salzburg ein Aushängeschild für den Sommertourismus sowie beliebter Erholungsraum für die Bevölkerung ist. Weiden leisten darüber hinaus einen unverzichtbaren Beitrag zur Artenvielfalt in Bergregionen.

Die Rückkehr von Wölfen stellt in Salzburg insbesondere für die Weidewirtschaft eine große Herausforderung dar, weil ein flächendeckender Schutz vor Wölfen aufgrund der geographischen und topographischen Gegebenheiten technisch und wirtschaftlich nicht realisierbar ist. Die Lebensrealität von mehr als 2/3 im Nebenerwerb tätigen Bauern erlaubt nicht, die dafür theoretisch notwendigen Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Es ist daher bei häufiger Wolfsanwesenheit mit einer relativ raschen Aufgabe der Weidewirtschaft auf betrieblicher Ebene zu rechnen, was aus agrarpolitischer Sicht allen Bemühungen der umfassenden Erhaltung der traditionellen Berglandwirtschaft im öffentlichen Interesse widerspricht. Dies betrifft alle Weidehalter, wie die aktuellen Übergriffe auf Nutztiere durch einen oder mehrere Wölfe im Pongau in unmittelbarer Hof- und Siedlungsnähe zeigen.

Politische Entscheidungsträger auf nationaler und europäischer Ebene sind gefordert, den Schutz und Erhalt der Berglandwirtschaft im Alpenraum und insgesamt der bäuerlichen Weide-, Freiland- und Offenstallhaltung sicherzustellen.

Die Mitglieder der Vollversammlung der Kammer für Land- und Forstwirtschaft begrüßen in der folgenden


RESOLUTION

 

das 5-Punkte Aktionsprogramm des Landes Salzburg – fordern jedoch darüber hinaus mit Nachdruck die Umsetzung folgender Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene wie

  • die umfassende Aufklärung der Bevölkerung und Konsumenten über die Folgen der Wiederansiedlung von Wölfen in Salzburg
  • die Bemühungen auf nationaler und europäischer Ebene zur Senkung des strengen Schutzstatus des Wolfes in der FFH-Richtlinie zu intensivieren und dahingehend aktiv an die zuständigen Stellen heranzutreten. Das umfasst auch die Betrachtungsebene der Wolfsvorkommen in der EU länderübergreifend und in Bezug auf den genetischen Austausch zu entwickeln, um die Kriterien zur Beurteilung des guten Erhaltungszustandes und Managementoptionen neu festzulegen
  • auf der nationalen und europäischer Ebene dafür einzutreten, im Alpenraum gemäß den Forderungen des EU-Parlamentes Weideschutzzonen zu erklären, damit die traditionelle Alm- und Weidewirtschaft als kulturelles Erbe, gefährdete Nutztierrassen sowie die Sicherheit für Mensch und Tier erhalten werden kann.
  • bei der im 5 –Punkte Aktionsprogramm des Landes enthaltenen Entschädigungsregelung auch den Aufwand für die Schadenserhebung und Schadensabwicklung (Suche, Bergung der Tierkadaver etc.) rasch und unbürokratisch abzugelten
  • rasche und praxisgerechte Erstellung des Kriterienkataloges für die Entnahme von Problemwölfen nach Art. 16 der FFH-Richtlinie zur Verhinderung von Rudelbildungen in Salzburg
  • Feststellung des Hybridisierungsgrades bei jedem Riss durch geeignete amtliche Untersuchungsmethoden und Veröffentlichung der Ergebnisse in einer öffentlich zugänglichen Art und Weise.

Salzburg, am 1. Juni 2018

Salzburger Bauernbund
Von Salzburger Bauernbund Juni 4, 2018 10:23